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Märkische Allgemeine Zeitung
15. April 2015

"Viele Geschäfte sind nur über Stufen erreichbar"

Birgit Lipsky ist Beauftragte für Gleichstellung, Behinderung und Integration beim Landkreis Oberhavel.

MAZ: Thomas Schmidt, ein sehbehinderter Oranienburger, klagt, dass viele Bordsteinkanten für Rollifahrer abgesenkt wurden, aber er mit seinem Stock dann nicht merkt, wo die Straße anfängt. Gibt es dafür Kompromiss-Lösungen? Birgit Lipsky: Damit Rollstuhlnutzer eine Straße überqueren können, müssen die Borde abgesenkt werden. Am geeignetsten ist eine Absenkung auf Straßenniveau. Das stellt für blinde oder stark sehbehinderte Verkehrsteilnehmer eine Gefahr dar. Der offensichtliche Widerspruch führte zu einer Kompromisslösung: Borde sollen an Querungsstellen auf drei Zentimeter über Straßenniveau abgesenkt oder angehoben werden. Wird weiter abgesenkt, ist mit sogenannten Aufmerksamkeitsfeldern zu arbeiten. Diese weisen blinde Menschen auf die Gefahrenstelle hin, es wird neben der Nullabsenkung auch ein Bord angelegt der mindestens sechs Zentimeter hoch ist.

Ein Thema im Landkreis ist ja seit Jahren auch die Barrierefreiheit in Wahllokalen. Viele Gehbehinderte mussten bisher auf die Briefwahl zurückgreifen... Lipsky: Da gibt es durchaus eine positive Entwicklung. Die Städte und Gemeinden informierten in der Wahlbenachrichtigung darüber, ob ein Wahlraum barrierefrei ist und wo Wahlberechtigte weitere Informationen zu barrierefreien Wahllokalen und anderen Hilfsmittel erhalten können. Und: 68 Prozent der Wahllokale im Kreis waren zuletzt barrierefei.

Während öffentliche Gebäude mittlerweile im Kreis meist ohne Hürden zu erreichen sind, ist das in vielen Geschäften und Ärztehäusern häufig nicht der Fall...
Lipsky: Eine wichtige Aufgabe nach in Kraft treten der UN-Behindertenkonvention ist die Beseitigung von baulichen Barrieren. Bis die vielfältigen baulichen Veränderungen gerade im Altbaubestand realisiert sind, werden noch Jahre vergehen. Bei Neubauten im öffentlichen Bereich gilt das Gebot barrierefrei zu bauen. Geschäfte und insbesondere Ärztehäuser gehören ebenfalls zu öffentlichen Gebäuden. Schwierig wird es hier nur, sofern es sich um Bestandsgebäude handelt, wo eine Barrierefreiheit nur unzulänglich nachgerüstet werden kann. Die Schwierigkeiten liegen hier oft bei der Zugänglichkeit. Oftmals sind Höhen zu überwinden, wo der Einbau eines Aufzuges nicht möglich ist. Viele Geschäfte in der Innenstadt von Oranienburg etwa sind nur über einige Stufen erreichbar. Hier ist es oft nicht möglich, über eine Rampe den Zugang zu gewähren. Einige Geschäfte haben das Problem dadurch gelöst, dass sie eine Klingel angebaut haben.

Jörg Rühle, Hennigsdorfer Behindertenbeauftragter, hat kürzlich gefordert, dass Unternehmen Behinderten öfter eine Chance geben sollten. Glauben Sie, dass er gehört wird?
Lipsky: Es ist gesetzlich geregelt, dass Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung besetzen müssen. Tun sie das nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe bezahlen. In größeren Firmen oder Unternehmen findet man oftmals mehr als fünf Prozent der Beschäftigten mit einem Grad der Behinderung. In den kleineren Betrieben sieht die Quote viel schlechter aus. Oft spielen auch Vorurteile eine Rolle, was die Belastbarkeit im Job angeht. Hier gibt es noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten und gute Beispiele, und gute Beispiele, wie es funktionieren kann, öffentlich zu machen.

Frau Lipsky, wo sehen Sie in den kommenden Jahren noch Nachholbedarf?
Lipsky: Von Nachholbedarf würde ich weniger reden. Ich denke es ist ganz wichtig, dass die Menschen sich so akzeptieren wie sie sind. Es muss ein Umdenken in den Köpfen stattfinden. Menschen, ob nun mit Behinderung oder ohne, haben in allen Lebensbereichen die gleichen Rechte. Diese Selbstverständlichkeit fest zu verankern und auch zu lebe, bedarf noch viel Anstrengung.
Interview: Marco Paetzel

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